Ich hatte eine regelrechte Schreibblockade.

Seit anfangs 2019 hat das Leben mich immer wieder gepackt, geschüttelt und für Wurftraining genutzt. Nebst einiger sehr schmerzhaften Aufpralle hat es mir viel positives geschenkt. Es hat mich wachgerüttelt und dadurch näher zu mir selbst gebracht. Es hat mich daran erinnert, dass ich fliegen kann. Es schon immer konnte. Und es hat eine Erinnerung aus meiner Kindheit wachgerufen, deren Wichtigkeit ich bisher nicht realisiert hatte…

Meine Mutter versuchte mich als Kleinkind vor allen möglichen Gefahren zu behüten. Sie war derart ängstlich, dass ich bereits als Zweijährige jedes Mal wenn ich umfiel und mir dabei die Knie blutig schlug, sofort aufsprang und zu ihr rannte, um sie zu trösten. Ohne eine Träne zu vergießen, versicherte ich ihr jeweils, dass sie sich keine Sorgen machen müsse, es täte überhaupt nicht weh. Was natürlich nicht stimmte, aber ich lernte, dass Schmerz kein Grund ist, liegen zu bleiben: Nichts kann dich aufhalten, wenn du es nicht zulässt. Heute bin ich meiner Mutter zutiefst dankbar für ihre damalige „Schwäche“, denn sie hat mich gelehrt aufzustehen, wenn es am meisten weh tut. Dank meiner Mutter weiss ich, wer ich wirklich bin: ein Stehaufweibchen!

Dieses Stehaufmännchen oder -weibchen ist in jedem von uns. Es braucht nur aktiviert zu werden.

Später war ich zeitweise wütend auf mich, wenn ich ihre Ängstlichkeit und Übervorsicht auch in mir wahrnahm. Vor allem als ich irgendwann selbst mit meinem Sohn im Park sass und mich zwingen musste, sitzen zu bleiben, während ich all die möglichen „Gefahren“ um ihn herum wahrnahm. Aber ich erinnerte mich noch, wie ich früher auf dem Spielplatz sehnsüchtig den mutigen Kindern zuschaute, die auf Kletterstangen herumschwangen, denen ich mich nicht einmal nähern durfte. Natürlich wurde ich so selber zu einem ängstlichen und übervorsichtigen Kind. Also biss ich als Mutter auf die Zähne und blieb sitzen. Schliesslich wollte ich es „richtig“ machen.

Aber was ist richtig oder falsch? Das Aussen setzt einen Impuls und du reagierst darauf. Immer. Es gibt nichts anderes. Kann denn ein Impuls falsch sein? Wohl kaum, also führt alles wieder zu dir zurück, denn nur deine Reaktion entscheidet, ob etwas, vereinfacht ausgedrückt, für dich positiv oder negativ ist. Beim Zurückschauen entdeckst du oft, dass Dinge, die du anfänglich als negativ eingestuft hast, dir die grössten Entwicklungsschritte ermöglicht haben. Sie haben dich einen Schritt näher an deinen persönlichen Erfolg gebracht, der nur auf deinem individuellen Weg zu finden ist.

Meine übervorsichtige Mutter hat mich nicht nur gelehrt, dass ich ein Stehaufweibchen bin, sondern auch, dass ich meine Angst überwinden kann, immer wieder, solange bis sie aufgibt und verschwindet. Auch für diese Erkenntnis danke ich ihr heute aus tiefstem Herzen. Lass uns also gemeinsam ein Hoch aussprechen auf unsere Mütter, die sowieso alles perfekt machen, egal was sie so alles anstellen. Und ein Hoch auf uns selbst, die wir (hoffentlich) durch ihre Impulse wachsen.

„Deine heutige Reaktion entscheidet

wer du morgen sein wirst.“

-Grazia Marchese